Frau Justizministerin
Christine Lambrecht

Sehr geehrte Frau Ministerin Lambrecht,

etwas überrascht nahm ich Ihre Aussagen zu Vertragsstrukturen von Fitness-Studios zur Kenntnis, woraufhin BILD sogar von betrügerischen Geschäftsmodellen, undurchsichtigen Vertragsstrukturen und kalkulierten Kostenfallen sprach. Als Vorsitzender des BVGSD e.V. (Bundesverband Gesundheitsstudios Deutschland) lassen Sie mich bitte Folgendes dazu darstellen. Unsere Mitgliedsstudios, die mit ihren Dienstleistungen u. a. auch in erheblichem Maße einen positiven Beitrag für die Volksgesundheit erbringen, schließen ihre Mitgliedschaften mit den Kunden nur nach einem ausführlichen Beratungsgespräch ab. Um langfristige Trainings- und Gesundheitseffekte zu erzielen, sind dabei lange Laufzeiten sinnvoll. Sollten, wie von Ihnen nun vorgetragen, die Laufzeiten von Fitnessverträgen nun grundsätzlich auf maximal 12 Monate begrenzt werden, entziehen Sie den Betreibern die oben genannte sinnvolle Grundlage für längerfristige Planungssicherheit für das intendierte Gesundheitstraining. Gleichwohl bieten inhabergeführte gesundheitsorientierte Fitness-Studios auf Wunsch des Kunden selbstverständlich auch Tageskarten, Zehnerkarten sowie 3-, 6- oder 12monatige Verträge an – die für den Kunden (den „Verbraucher“) im Übrigen dann aber natürlich mit entsprechend höheren Gebühren einhergehen. Aus Verbrauchersicht gibt es demnach zwei Alternativen: Entweder lange Laufzeiten und niedrige Beiträge, oder aber kurze Laufzeiten und dementsprechend höhere Beiträge. Der mündige Verbraucher hatte also bisher die freie (Vertrags-)Wahl. Ihr Vorhaben wäre dagegen eher Entmündigung als Schutz für Verbraucher. Denn sollte von Ihnen nun die bisherige Option der 24-Monats-Verträge gestrichen werden, werden Sie im Grunde in Ihrer Rolle als „Verbraucherschutzministerin“ dem Endverbraucher (zurzeit über 10 Millionen Trainierende in deutschen Fitness-Studios) wirtschaftlich eher schaden. Sehr geehrte Frau Ministerin, lassen Sie mich noch darauf hinweisen, dass im Übrigen ein Fitnessvertrag in einem gesundheitsorientierten Fitness-Studio auf ein DINA4 Blatt passt. Im ersten Drittel des Vertrages stehen die Daten des Kunden und auf dem unteren Drittel des Blattes in der Regel das SEPA-Mandat. Es bleiben also aus dem o.g. „Fitness-Vertrag“ bei 29,7 cm Gesamthöhe eines DINA 4 Blattes, 9,9 cm für das von Ihnen als „undurchsichtige Vertragsstruktur“ bezeichnete Vertragswerk. Auf diese übrig gebliebenen 9,9 cm passen maximal 11 Zeilen „Vertragsinhalt“, was für alle Kunden transparent ist. Am Rande sei bemerkt, dass die gesundheitsorientierten Fitness-Studios die DSGVO sehr ernst genommen und auch rechtzeitig umgesetzt haben. An dieser Stelle ebenfalls noch der Hinweis, dass der BVGSD e.V. in Zusammenarbeit mit der Bergischen Universität Wuppertal (Herrn Prof. Dr. Theodor Stemper) Qualitätsmanagement-Kriterien, angelehnt an die DIN-Norm 33961 und an die DIN EN ISO 9001:2015 für die gesundheitsorientierten Fitness-Studios auf den Weg gebracht hat, wonach die Qualität des Gesundheitstrainings gewährleistet wird. Nach diesen Kriterien werden gesundheitsorientierte Fitness-Studios auch als Prae-Zert® Studio zertifiziert. Sehr geehrte Frau Ministerin, wenn Sie die „betrügerischen Verträge der Fitness-Studios“ auf Ihre Agenda schreiben, fühlen wir uns als Vertreter der gesundheitsorientierten Fitnessstudios diskriminiert. Wir fänden an dieser Stelle zunächst erst einmal ein unideologisches Gespräch mit den Betroffenen (gesundheitsorientierte Fitness-Studios in Deutschland) – und zwar aufgrund von Beweisketten, Plausibilitäten – wünschenswert. Bitte verstehen Sie, sehr geehrte Frau Ministerin, dass der BVGSD e.V. satzungsgemäß alle seine Mitglieder (die inhabergeführten gesundheitsorientierten Fitness-Studios) in diesem Sinne vertreten muss. Dabei müssen wir auch den wahren Grund für etwaige zukünftige Preissteigerungen für die Studio-Mitglieder (also die Verbraucher, die Sie ja eigentlich schützen wollen) aufgrund Ihres Vorhabens thematisieren. Wir hoffen, dass Sie unsere Argumentation nachvollziehen können und würden eine Korrektur Ihres Vorhabens sehr begrüßen.

Mit sportlichen Grüßen

Botond Mezey
1.Vorsitzender BVGSD e. V.